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Maulkorb und Leine: Pflichten, Training, Begegnungen

Leine und Maulkorb sind Pflicht, Schutz und Trainingsthema zugleich. Dieser Artikel erklärt, wo sie vorgeschrieben sind, wie du sie ohne Schmerz und Stress nutzt und wie Begegnungen mit anderen Hunden gelingen.

Auf dieser Seite
  1. Maulkorb: schrittweise gewöhnen
  2. Wo die Leine Pflicht ist
  3. Ziehen an der Leine und passende Hilfsmittel
  4. Warum viele Hunde an der Leine pöbeln
  5. Zwei Hunde an der Leine treffen sich
  6. Frei laufender Hund trifft angeleinten Hund
  7. Freilauf, Rückruf und Rücksicht
  8. Alleinbleiben, Auto und Trubel
  9. Was in der Prüfung gilt und was Fachleute heute empfehlen
  10. Üben mit Hundeführerschein Deutschland
  11. Diese 51 Prüfungsfragen gehören dazu

Maulkorb: schrittweise gewöhnen

Ein Maulkorb belastet den Hund nicht, wenn du ihn langsam und positiv aufbaust. Der Hund steckt die Schnauze freiwillig hinein und wird belohnt. Dann steigerst du die Tragezeit über mehrere Wochen. Ein plötzlich aufgezwungener Maulkorb löst dagegen Stress aus.

Bei der Auswahl achtest du auf mehrere Punkte:

  • Er sitzt bequem und rutscht nicht in die Augen.
  • Bei längerem Tragen kann der Hund mit offenem Maul hecheln und trinken.
  • Eine enge Maulschlaufe aus weichem Material ist nur für wenige Minuten akzeptabel.
  • Bei Hunden, die wirklich verletzen könnten, muss er stabil sein und sich nicht abstreifen lassen.

Auch ängstliche Hunde dürfen einen Maulkorb tragen, wenn die Lage es erfordert, etwa beim Tierarzt. Angst kann zum Beißen führen, vor allem wenn der Hund im Gedränge nicht ausweichen kann. Mit guter Gewöhnung ist der Maulkorb für ihn keine Belastung.

Manchmal ist er Pflicht. In Brandenburg tragen Hunde in Verwaltungsgebäuden und öffentlichen Verkehrsmitteln einen Maulkorb. Für gefährliche Hunde gelten außerhalb des Grundstücks meist Leine und Maulkorb, etwa in Berlin ab dem siebten Lebensmonat.

Wo die Leine Pflicht ist

Die Regeln unterscheiden sich je nach Bundesland. Vor Ort können Städte und Gemeinden zusätzlich Regeln erlassen.

  • Nordrhein-Westfalen: Leine in Fußgängerzonen und ähnlich belebten Bereichen, bei Menschenansammlungen, in Park- und Grünanlagen mit Spielplätzen sowie in Schulen und Kindergärten sowie in öffentlichen Gebäuden. Ausgewiesene Hundeauslaufbereiche sind ausgenommen. Für große Hunde gilt innerorts außerdem Leinenpflicht auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen.
  • Berlin: Außerhalb des eigenen Grundstücks gilt die Leinenpflicht für alle Hunde. Frei laufen darf ein Hund, dessen Halter die Sachkunde nachgewiesen und eine Bescheinigung erhalten hat. Auch dann bleibt die Leine in Grün- und Erholungsanlagen, im Wald, in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Fußgängerzonen und bei Menschenansammlungen Pflicht.
  • Brandenburg: Leine bei Veranstaltungen, auf Sport- und Campingplätzen, in umfriedeten Grünanlagen, in Einkaufszentren, Fußgängerzonen, Verwaltungsgebäuden, im öffentlichen Nahverkehr und in Treppenhäusern von Mehrfamilienhäusern.
  • Sachsen-Anhalt und Thüringen: Das Landesgesetz regelt keine allgemeine Leinenpflicht. Sie kommt meist aus örtlichen Verordnungen. Frag dein Ordnungsamt.

Unabhängig davon leinst du den Hund vorsorglich an, wo viele Menschen sind oder Verkehr herrscht. Das gilt in Innenstädten, an stark befahrenen Straßen, im Treppenhaus und in Mehrfamilienhäusern, in Läden, Hotels und Restaurants und in Gebieten mit viel Wild. Eine leere Hundewiese braucht keine Leine.

In Berlin gilt die Befreiung nur für das Team aus Halter und Hund, das die Prüfung gemeinsam abgelegt hat. Eine fremde Person darf deinen Hund deshalb nicht frei laufen lassen. Die Bescheinigung musst du mitführen, sobald der Hund ohne Leine läuft. Einen Hund vor einem Geschäft unbeaufsichtigt zu lassen ist in Berlin verboten, auch kurz und auch mit Maulkorb.

Beißt dein nicht angeleinter Hund eine fremde Person, musst du mit einem Strafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung rechnen. Das gilt auch, wenn du gerufen hast.

Ziehen an der Leine und passende Hilfsmittel

Meist zieht ein Hund aus harmlosen Gründen. Er hat lockeres Gehen nie gelernt. Er ist schneller als sein Mensch oder zu abgelenkt. Oder er hat Angst oder Stress und will aus der Lage weg. Dass er dir seine „Vorherrschaft“ zeigen will, ist überholt. Auch „Rudelführer“ ist kein Erklärungsmodell der heutigen Verhaltensforschung.

Bis ein aktiver, gesunder Hund locker geht, dauert es oft lange. In aufregenden Lagen oder auf glatter Straße ist selbst ein gut trainierter Hund schwer zu halten. Hunde bis etwa ein Drittel deines Körpergewichts kannst du in der Regel gut halten. Bei einem großen, kräftigen Hund brauchst du Training und passende Ausrüstung.

Was hilft? Wechsle die Richtung, lenke ab und suche die Ursache. Belohne lockere Leine. Gut sind schmerzfreie Hilfsmittel: ein Kopfhalfter ohne einschnürende Zugwirkung oder ein Brustgeschirr mit Ring vorn an der Brust. Das Geschirr passt nur für Hunde, die nicht so stark ziehen, dass es ständig das Vorderbein nach vorn drückt. Ein Kopfhalfter lenkt den Kopf sanft und verschiebt das Kräfteverhältnis zu deinen Gunsten.

Leinenrucke sind kein Erziehungsmittel. Sie tun weh, können Hals, Wirbelsäule und Kehlkopf schädigen und gelten als nicht tierschutzkonform. Die Tierschutz-Hundeverordnung verbietet schmerzhafte Mittel im Training. Würgende oder einschnürende Halsbänder und Geschirre erzeugen Stress und falsche Verknüpfungen. Der Hund wird ängstlicher oder aggressiver und verliert Vertrauen zu dir.

Warum viele Hunde an der Leine pöbeln

An der Leine kann ein Hund nicht ausweichen. Deshalb fühlt er sich schneller bedroht. Manche Hunde haben nie gelernt, sich auch an der Leine entspannt zu begrüßen. Andere sind frustriert, weil die Leine sie zurückhält. Viele haben gelernt: Bellen und Pöbeln beendet die beängstigende Situation, denn der andere hält dann Abstand.

Manche Hunde treten an der Leine selbstbewusst und drohend auf. Wirklich mutiger sind sie dadurch nicht. Korrekturen und Strafreize verschlimmern das Problem. Sie fördern aggressives Verhalten.

Vorbeugen kannst du so:

  • Lobe ruhiges Vorbeigehen an anderen Hunden.
  • Locke deinen Hund mit einem Leckerchen am anderen Hund vorbei.
  • Füttere beim Vorbeigehen so, dass er sich vom anderen Hund abwenden muss, um das Leckerchen zu fressen.
  • Halte Abstand und übe Begegnungen ruhig. Belohne die Distanz, die dein Hund aushält.

Den Hund resolut hinter dich zu drängen erzeugt Druck und Stress. Das verstärkt das Pöbeln.

Zwei Hunde an der Leine treffen sich

Zwei angeleinte Hunde direkt zusammenzulassen birgt Risiken. Beim Umeinanderlaufen verheddern sich die Leinen. Eine Rauferei lässt sich dann schwer beenden. Durch die Enge und Hektik entsteht sie leichter.

Beide Hunde können nicht ausweichen und sind oft unsicherer. Straff gespannte Leinen und angespannte Muskeln wirken auf den anderen Hund bedrohlich. Missverständnisse entstehen leicht. Ältere Lehrtexte sagen, Hunde fühlten sich an der Leine stärker und wollten das zeigen. Fachleute sehen vor allem Unsicherheit, Frust und fehlende Ausweichmöglichkeit.

Zieht jemand einen Hund plötzlich an Leine oder Halsband weg, kann auch das Aggression auslösen. Frag vorher den anderen Halter, ob Kontakt erwünscht ist. Halte die Leine locker, damit die Hunde nicht behindert werden.

Frei laufender Hund trifft angeleinten Hund

Läuft dein Hund frei und dir kommt jemand mit angeleintem Hund entgegen, rufst du ihn zu dir. Dann leinst du ihn auch an. Du kannst ihn alternativ sitzen oder liegen lassen, damit der andere bequem vorbeigeht. Lass ihn erst wieder frei, wenn sicher ist, dass er nicht hinläuft.

Der Grund: Der andere Hund hat vielleicht einen guten Grund für die Leine. Er ist frisch operiert, hat Angst oder Schmerzen oder ist krank. Er versteht sich womöglich nicht mit fremden Hunden. Zeigt jemand seinen Wunsch nach Abstand, indem er etwa den kleinen Hund auf den Arm nimmt, leinst du an und hältst Abstand. Fragen kannst du aus der Ferne, ob ein Kontakt erwünscht ist. „Meiner beißt nicht“ schützt nicht vor einer Rauferei.

Bei Größenunterschieden brauchst du besondere Rücksicht. Sehr große Hunde ab etwa 50 Kilo müssen als Welpen im Spiel lernen, ihre Kraft zu dosieren. Sehr kleine Hunde unter etwa 5 Kilo können versehentlich verletzt werden. Passende Spielpartner sind für beide schwer zu finden. Der Mensch muss Begegnungen steuern.

Hast du einen kleinen Hund und ein großer, freilaufender Hund kommt auf ihn zu? Weich der Begegnung aus, wechsle die Richtung und vermeide Blickkontakt der Hunde. Ein kleiner Hund kann auf den Arm. Das ist aber nur die Notlösung. Ein ruhiger Versuch, den fremden Hund wegzuschicken, ist erlaubt. Verletzen oder erschrecken darfst du ihn nicht. Hast du drei große Hunde dabei und zwei fremde kleine Hunde nehmen vor euch Kontakt auf? Halte Abstand und lass deine Hunde nicht heran.

Knurrt ein unangeleinter fremder Hund deinen an, bleib ruhig und schreie nicht. Zieh deinen Hund nicht grob weg, und vermeide Blickkontakt. Mische dich bei einer Rauferei nicht körperlich ein. Beide Halter entfernen sich am besten zügig und ruhig in entgegengesetzte Richtungen. Das gilt für Hunde mit und ohne Leine. Wirf nichts und schlage nicht.

Radelst du und ein Hund ohne Besitzer kommt dir entgegen, steig ab und bleib ruhig stehen. Ein schnelles Rad kann den Hund zum Jagen reizen.

Freilauf, Rückruf und Rücksicht

Läuft dein Hund frei, ist er in Gesellschaft von Menschen nur dann sicher, wenn er zuverlässig abrufbar ist. Kommt er trotz Rufens nicht zurück, lauf ihm nicht hinterher. Dreh dich ruhig um und geh in die andere Richtung. Das macht dich für ihn interessant.

Kommt dir eine Gruppe rennender Kinder entgegen, leine deinen Hund an. Rennende Kinder können Jagdverhalten oder Aufregung auslösen. „Er beißt nicht“ reicht nicht. Macht eine Kindergruppe auf der Hundewiese Picknick, leinst du ebenfalls an. Kinder wissen nicht, dass dein Hund nichts tut, und erschrecken schnell. Dasselbe gilt für einen Jogger: Abrufen, anleinen, vorbeiführen.

Die Verantwortung liegt bei dir, nicht bei den Kindern oder dem Jogger. Sie zu bitten, anzuhalten oder langsamer zu laufen, schiebt sie auf andere ab.

Alleinbleiben, Auto und Trubel

Alleinbleiben lernt ein Hund in kleinen Schritten. Beim Welpen übst du erst Sekunden und dehnst auf Minuten aus. Beim Junghund steigerst du auf Stunden. Wer einen Hund ein halbes Jahr nie allein lässt, bereitet ihn nicht darauf vor.

Zerstört ein Hund allein Teile der Wohnung, steckt Langeweile oder Trennungsangst dahinter. Rache kennt er nicht. Hilfreich ist schrittweises Training, bei starker Angst mit fachlicher Hilfe.

Im geparkten Auto kann es im Sommer binnen Minuten lebensgefährlich heiß werden. Im Winter kann ein Hund stark auskühlen und krank werden. Hunde regulieren ihre Temperatur vor allem durch Hecheln und etwas Schweiß über die Pfoten. Deshalb überhitzen sie schneller als Menschen.

Hast du einen drei Monate alten Welpen am Bahnhof dabei, und er zittert vor Trubel und einfahrendem Zug? Bleib gelassen. Zu viel aufgeregtes Zureden kann ihn lehren, dass seine Angst berechtigt ist. Gib ihm ruhige Nähe und Abstand zum Trubel. Sammle positive Erfahrungen am Bahnhof, in kleinen Schritten.

Was in der Prüfung gilt und was Fachleute heute empfehlen

Die offiziellen Kataloge von Sachsen-Anhalt (2009) und Thüringen (2012) sind älter als der heutige Wissensstand. An einigen Stellen belohnt ihr Schlüssel Methoden, von denen Fachleute inzwischen abraten. Für die Prüfung zählt der offizielle Schlüssel, für deinen Hund das heutige Wissen. Hier steht beides nebeneinander.

  • Thüringen, junger Hund zieht an der Leine: In der Prüfung gilt ein kleiner Ruck als angemessene Antwort. Heute raten Fachleute von jedem Leinenruck ab, weil er Hals und Wirbelsäule schädigen kann. Lockeres Gehen baust du mit Belohnung auf.
  • Thüringen, ein fremder Hund knurrt deinen an: In der Prüfung gilt es als richtig, stehen zu bleiben und den Hunden Zeit zu geben, die Lage notfalls in einer Rauferei zu klären. Heute empfehlen Fachleute, ruhig zu bleiben und für Abstand zu sorgen. Eine Rauferei großer Hunde kann schwere Verletzungen bringen.

Üben mit Hundeführerschein Deutschland

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Quellen

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