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Strafe, Vertrauen und Führung: Erziehung ohne Angst

Ein Hund, der seinem Menschen vertraut, lernt leichter und bleibt gelassener. Strafen, Schreck und Schmerz zerstören dieses Vertrauen. Hier erfährst du, was bei Strafe schiefgeht, was stattdessen wirkt und welche Hilfsmittel erlaubt sind.

Auf dieser Seite
  1. Was Strafe bei Hunden auslöst
  2. Was stattdessen funktioniert
  3. Hilfsmittel: Was erlaubt und sinnvoll ist
  4. Vertrauen aufbauen und Führung zeigen
  5. Anfassen üben und Verteidigen von Beute
  6. Ein ängstlicher Hund: ruhig bleiben
  7. Malheur in der Wohnung
  8. Gute Hundeschule und Raufereien
  9. Was in der Prüfung gilt und was Fachleute heute empfehlen
  10. Üben mit Hundeführerschein Deutschland
  11. Diese 45 Prüfungsfragen gehören dazu

Was Strafe bei Hunden auslöst

Strafe wirkt nur, wenn sie innerhalb weniger Sekunden folgt. Kommt sie später, versteht der Hund nicht, wofür. Er wird dann nur unsicher.

Auch eine sofortige Strafe hat Nebenwirkungen. Das Vertrauen zum Halter leidet. Der Hund kann Angst vor dir entwickeln. Fühlt er sich bedroht oder hat Schmerzen, kann er aggressiv reagieren.

Dazu kommt ein weiteres Problem. Der Hund verknüpft den Schreck mit Dingen, die zufällig gleichzeitig passieren. Ein Leinenruck beim Anblick eines anderen Hundes kann zum Beispiel Leinenaggression auslösen oder verstärken. Wer mit einer Wasserspritze arbeitet, erzeugt womöglich Angst vor Zischgeräuschen.

Besonders sensible Hunde verlieren das Vertrauen schon durch Kleinigkeiten. Das gilt vor allem, wenn der Mensch launisch oder inkonsequent reagiert. Auch ein gut gebundener Hund ist davor nicht geschützt.

Stress blockiert zudem das Lernen. Ein Hund, der Schmerz oder Angst mit dem Training verbindet, verbindet sie mit jeder Übungssituation.

Was stattdessen funktioniert

Gute Erziehung baut erwünschtes Verhalten auf, statt Fehler zu bestrafen. Du belohnst, was du sehen willst. Unerwünschtes lässt du ins Leere laufen.

Aufmerksamkeit ist für einen Hund eine Belohnung. Ignorierst du ihn kurz oder brichst den Kontakt ab, bleibt sie aus. Das beendet viel Verhalten ohne Gewalt.

Manche alten Prüfungskataloge nennen noch kurze, unpersönliche Unterbrechungen, etwa ein scharfes „Pfui“ oder das Schicken auf den Platz. Sie dürfen nie wehtun oder erschrecken. Wirksamer ist es, dem Hund ein Alternativverhalten beizubringen und es zu belohnen.

Hilfsmittel: Was erlaubt und sinnvoll ist

Die Tierschutz-Hundeverordnung schließt Mittel aus, die Schmerz, Schreck oder Leiden verursachen. Das Tierschutzgesetz verbietet außerdem, Strom direkt auf ein Tier einwirken zu lassen.

Bedenklich sind daher Stachelhalsbänder, Zughalsbänder ohne Begrenzung, einschneidende Ketten und Stromreizgeräte. Das gilt auch für schmerzhafte Ultraschallgeräte und Halsbänder mit Sprüh- oder Luftstoß.

Sinnvoll sind dagegen:

  • Eine Leine.
  • Ein breites Halsband, das nicht würgt, oder ein gut sitzendes Brustgeschirr. Geschirre, die unter den Achseln scheuern, können Schmerzen verursachen.
  • Bei Bedarf ein Kopfhalfter.
  • Der Clicker, der nur eine Belohnung ankündigt.

Ein Kopfhalfter ähnelt einem Pferdehalfter, hat aber eine Schlaufe um die Schnauze. Es ist kein Maulkorb. Dein Hund muss damit hecheln können. Es darf nicht zuziehen oder in die Augen rutschen.

Führe ihn sanft, damit die Halswirbelsäule nicht belastet wird. Gewöhne ihn in kleinen Schritten daran und lass dir den Umgang von einem Profi zeigen.

Vertrauen aufbauen und Führung zeigen

Früher sprach man von Rangordnung und Dominanz. Heute spricht man lieber von verlässlicher Führung. Sie entsteht durch Ruhe, Klarheit und Belohnung, nicht durch Unterwerfung.

Konkret heißt das: Du bist meist derjenige, der zu gemeinsamen Aktivitäten einlädt. Forderndes, aufdringliches Verhalten ignorierst du. Erwünschtes Verhalten belohnst du. Wichtige Dinge wie das Futter kontrollierst du ruhig.

Den Hund auf den Rücken zu drehen oder ihm Futter wegzunehmen, ist dagegen überholt. Das macht Angst und kann zu Abwehr bis zum Beißen führen. Auch demonstratives Essen vor dem Hund bringt nichts.

Ein Hund erkennt souveräne Führung an deiner Ruhe, an vertrauensvollem Training und am Verzicht auf Strafen. Wenn du jedem Aufmerksamkeitswunsch nachgibst, ist das keine Führung.

  • Häufiger Kontakt und gemeinsame Unternehmungen.
  • Geduld, Lob und Konsequenz.
  • Viel Beschäftigung, ohne den Hund zu überfordern.

Eine gute Bindung erkennst du daran, dass dein Hund sich entspannt und unbefangen verhält und gern mit dir arbeitet. Ständig wechselnde Bezugspersonen schaffen sie nicht.

Anfassen üben und Verteidigen von Beute

Übe mit Belohnung, dass dein Hund sich überall anfassen lässt. Das stärkt Vertrauen und Bindung. Es erleichtert außerdem Krallenpflege, Bürsten und den Tierarztbesuch.

Regelmäßiges Anfassen gehört auch zur Sozialisierung. Dein Hund soll dabei entscheiden dürfen, wann er genug hat. Empfindliche Stellen übst du bei jedem Hund Schritt für Schritt.

Verteidigt dein Hund Knochen oder Spielzeug, ist ihm dieses Gut besonders wichtig. Er lernt, Dinge gern herzugeben, wenn du sie gegen etwas Besseres tauschst. Wurde er fürs Nichtherausgeben bestraft, verteidigt er oft noch heftiger. Mit „Rudelführer“ hat das nichts zu tun.

Ein ängstlicher Hund: ruhig bleiben

Angst ist ein Gefühl, kein Ungehorsam. Wer sie bestraft, bestätigt den Hund in seiner Sorge. Auch hartes Kommandieren oder ein Leinenruck verstärken sie.

Zu viel hektisches Zureden und Streicheln bestätigt dem Hund, dass seine Angst berechtigt ist. Ein plötzlich aufgeregter Mensch wirkt dazu verunsichernd. Der Hund kann daraus lernen, dass Angst sich lohnt.

Die Prüfungskataloge der Bundesländer gewichten das unterschiedlich. Gemeinsam ist: Du bleibst ruhig und souverän. Du sprichst, wenn überhaupt, leise und tief. Du schaffst Abstand zum Auslöser und lobst, sobald der Hund sich entspannt.

Beim Tierarzt gilt: Sprich mit deinem Hund, wenn er ruhig ist, nicht wenn er zappelt oder knurrt. Knurren ist eine Warnung und darf nie bestraft werden. Gewöhne ihn in kleinen Schritten an die Untersuchung.

Beim Üben mit einem ängstlichen Hund passt du den Rahmen an: ruhige Umgebung, kleine Schritte. Verzichte auf bedrohliche Gesten wie Anstarren, Über-den-Hund-Beugen oder Schreien.

Malheur in der Wohnung

Hat dein Hund in die Wohnung gemacht, wisch es ruhig und ohne Kommentar auf. Sein Missgeschick kann er im Nachhinein nicht mit deiner Reaktion verbinden. Die Nase hineinzudrücken macht ihm nur Angst.

Meist konnte der Hund nicht mehr einhalten. Geh also öfter hinaus. Beim Welpen helfen feste Löseplätze, Rausgehen nach Fressen, Spiel und Schlaf und überschwängliches Loben, wenn es draußen klappt.

Gute Hundeschule und Raufereien

Eine gute Schule baut erwünschtes Verhalten in kleinen Schritten über Belohnung auf. Sie achtet darauf, dass unerwünschtes Verhalten nicht versehentlich belohnt wird. Dein Hund geht gern hin.

Schnauzengriff, Nackenstoß oder Auf-den-Rücken-Drehen sind Zwang und gehören nicht zu guter Ausbildung.

Wenn eine Rauferei zwischen Hunden entsteht, mischst du dich nicht ein, solange die Kräfte ähnlich sind. Entfernt euch ruhig und zügig in entgegengesetzte Richtungen. Anschreien erregt die Hunde nur mehr. An Schwanz oder Hinterbeinen zu ziehen, kann schwer verletzen. Dein eigener Schutz geht vor.

Was in der Prüfung gilt und was Fachleute heute empfehlen

Die offiziellen Kataloge von Sachsen-Anhalt (2009) und Thüringen (2012) sind älter als der heutige Wissensstand. An einigen Stellen belohnt ihr Schlüssel Methoden, von denen Fachleute inzwischen abraten. Für die Prüfung zählt der offizielle Schlüssel, für deinen Hund das heutige Wissen. Hier steht beides nebeneinander.

  • Sachsen-Anhalt: In der Prüfung gelten ein Leinenruck und ein Griff über den Fang als Mittel, um unerwünschtes Verhalten im Moment zu unterbrechen. Heute empfehlen Fachleute, ohne Schmerz zu unterbrechen und ein Alternativverhalten zu belohnen.
  • Sachsen-Anhalt: In der Prüfung gelten der Nackengriff mit Herunterdrücken und der Griff über die Schnauze als artgerechtes Disziplinieren. Heute raten Fachleute davon ab. Beides macht Angst und kann Abwehrbisse auslösen.
  • Thüringen: In der Prüfung gilt eine indirekte Strafe als vertretbar, etwa kommentarlos Wasser spritzen oder aus der Entfernung etwas werfen. Heute empfehlen Fachleute, auf solche Schreckreize zu verzichten. Der Hund kann Angst vor Geräuschen, Orten oder vor dir entwickeln.
  • Thüringen, Pfütze auf dem Teppich: In der Prüfung zählt neben dem stillen Aufwischen auch ein Gegenstand, der in die Nähe des Hundes geworfen wird. Heute empfehlen Fachleute nur das ruhige Aufwischen und mehr Gelegenheiten draußen.

Üben mit Hundeführerschein Deutschland

Die App enthält die offiziellen Fragen der Sachkundeprüfung in Nordrhein-Westfalen, Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen, jeweils mit Erklärungen. Außerdem kannst du für alle Bundesländer üben.

Bald im App Store.

Diese 45 Prüfungsfragen gehören dazu

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Quellen

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